Am Freitag, den 19. September, haben wir uns die Sonnenbrillen aufgesetzt und den letzten warmen Sommertag des Jahres genutzt, um Münster ein bisschen bunter – und ein bisschen pflanzlicher – zu machen. Anlass war der PARK(ing) Day, ein weltweiter Aktionstag, bei dem Parkplätze nicht von Autos, sondern von Menschen erobert werden. Normalerweise stehen da brav die Blechkisten nebeneinander, diesmal aber: Sitzgelegenheiten, Infostand, vegane Häppchen und jede Menge Gespräche. Kurz gesagt: Wir haben aus Asphalt ein Freiluft-Wohnzimmer gemacht.
Der Andrang war groß – unser Stand war den ganzen Tag über so voll, dass wir uns fast wie ein veganer Popstar fühlten. Es gab Häppchen zum Probieren (ja, rein pflanzlich, nein, niemand hat Fleisch vermisst) und viele neugierige Fragen: „Wie schmeckt das?“ „Was steckt drin?“ „Kann man davon satt werden?“ Die Antwort war in allen Fällen: lecker, gesund, ja.


Ein besonderes Highlight war unsere Pinnwand, auf der Passant*innen aufschreiben konnten, was sie sich in Münster beim Thema Ernährung wünschen. Dabei zeigte sich sehr schnell ein Muster: Ganz oben auf der Wunschliste stand weniger Fleisch in Schulen und Kitas. Das ist genau das Thema, dem wir uns schon seit Langem widmen – schließlich werden in Münster jeden Tag rund 11.000 warme Mahlzeiten in Schulen und Kitas ausgegeben. Eine ziemlich große Bühne, auf der man gesunde und nachhaltige Ernährung sichtbar machen könnte. Viele wiesen auch darauf hin, dass es in Mensen und Kantinen oft schlicht zu wenig gute vegane oder vegetarische Angebote gibt. Wer mittags zwischen „Bratwurst mit Beilage“ und „Beilage ohne Bratwurst“ wählen muss, fühlt sich eben nicht besonders inspiriert.

Natürlich gab es auch Gesprächsstoff, der uns so gar nicht schmeckte: Etwa die Entscheidung von Gustav Grün, dem eigentlich vegetarisch-veganen Urgestein der Münsteraner Gastro-Szene, nun auch Fleisch ins Sortiment zu nehmen. Für viele ein herber Dämpfer.
Aber zurück zu den schönen Seiten: die Sonne hat uns unterstützt, als wolle sie selbst zeigen, dass Klima und Ernährung zusammenhängen.
Unser zweites Plakat drehte sich um die Frage: Warum fällt es eigentlich so schwer, weniger Fleisch und tierische Produkte zu essen? Die Antworten waren so ehrlich wie vielfältig. Auch hier stand ganz oben auf der Liste die ernüchternde Feststellung: In Mensen und Kantinen fehlt es oft schlicht an guten Alternativen. Wer jeden Mittag zwischen Salat und Pommes wählen darf, fühlt sich wenig motiviert, mal etwas Neues auszuprobieren. Kurz: Nicht der Wille ist das Problem, sondern die Rahmenbedingungen. Und genau da setzen wir als Initiative an – damit die Entscheidung für weniger Fleisch nicht schwerfällt, sondern leicht, lecker und naheliegend wird. Und die vielen Gespräche haben deutlich gemacht: Münster will mehr. Mehr pflanzliche Alternativen, mehr Kreativität in Kantinen, mehr Mut in der Gastronomie. Wir wollen, dass fleischfrei nicht länger die „Alternative“ ist, sondern ganz normal auf den Tisch kommt.

Kurzum: Der PARK(ing) Day hat uns gezeigt, dass Veränderung möglich ist, wenn man sie auf die Straße – oder eben auf den Parkplatz – bringt. Wir gehen motiviert weiter, mit Humor im Gepäck und der Überzeugung: Münster is(s)t veggie.


