Protest gegen Untätigkeit im Rathaus

Veröffentlicht 29. Mai 2026

Klimaschutz-Ideen zu Grabe getragen

Die Verkehrswende ruht neben der flächensparenden Kommune und der Klimaneutralität 2030. Wer am Mittwoch über den Prinzipalmarkt ging, spazierte über einen Friedhof der Ideen. Selbst gebastelte Grabsteine symbolisieren Klimaschutz-Projekte, die in den vergangenen Jahren beerdigt wurden.

Anlass war das Vorhaben „Gesundheitsfördernde und nachhaltige Kita- und Schulverpflegung“ – Ein Antrag, geboren am 08.03.2022. Ist auch er bereits beerdigt? Das ließen die Protestierenden offen. Aber sicher war: „Wir sehen seit nunmehr vier Jahren keine Schritte, dass dieser Antrag umgesetzt wird“, sagt Heiko Wischnewski von der Initiative Münster isst veggie. Abgelehnt wurde das Papier aber auch nicht.

Neuer Rathaus-Chef – alte Defizite

Daran hat ein Wechsel in der Rathausspitze nichts geändert. Zwar hat Oberbürgermeister Tilman Fuchs (Grüne) kurz vor der Stichwahl versprochen Verwaltung und Bürgerservice spürbar zu verbessern. Bis zu dieser Anregung ist er offenbar noch nicht vorgedrungen. Das Papier adressiert einen wunden Punkt in der Verwaltung, denn es kann nur umgesetzt werden, wenn mehrere Ämter zusammenarbeiten. Auf acht Seiten fordern der Ernährungsrat, das Bündnis „Pestizidfreies Münster“ sowie die Initiative „Münster isst veggie“: Die Gemeinschaftsverpflegung soll aus mehr ökologischen, saisonalen und regionalen Produkten bestehen. Importwaren wie Kakao, Bananen oder Orangensaft sollen vollständig aus fairem Handel stammen. Perspektivisch soll der Bio-Anteil der 11.000 Gerichte, die wochentags in Schulen und Kitas auf den Tisch kommen, auf 100 Prozent erhöht werden. Hinzu kommen Trinkwasserspender und ein Runder Tisch, an dem alle Beteiligten diskutieren, wie die Kita- und Schulverpflegung besser werden kann.

Intransparenz schürt Unmut

Ob es all das je geben wird, ist bisher vollkommen unklar. „Diese Intransparenz treibt unseren Protest ebenso wie die Ziele selbst“, erläutert Wischnewski. Zumal der Antrag keine unmöglichen Zusatzleistungen einfordert. Die Schul- und Kita-Verpflegung ist eine Pflichtaufgabe der Kommunen. Sie muss sowieso erledigt werden, warum dann nicht gleich gut?

Kostenlos und klimafreundlich

Selbst nahezu kostenlose Forderungen aus dem Antrag wurden in vier Jahren nicht erfüllt – darunter ein Verpflegungs-Stammtisch, Fortbildungen für Caterer, und Trinkwasserspender. Schon diese Maßnahmen würden die tägliche Verpflegung in Kitas und Schulen verbessern, denn durch sie kämen mehr Gemüse, weniger hochverarbeitete Produkte, und weniger plastikverpackte Süßgetränke auf den Tisch. Dass so auch der CO2-Abdruck der servierten Speisen deutlich sinkt, ist gewünscht. „Ganz nebenbei kann die Stadt so lecker, gesund und hochwertig ihre Klimabilanz optimieren“, sagt Heiko Wischnewski. Schließlich steht Klimaneutralität bis 2030 zumindest offiziell auf der kommunalen Agenda.

Offenbar braucht es den Protest, um die kommunalen Behörden daran zu erinnern. Denn die bisher einzige Reaktion zeigte die Stadt nach einer ähnlichen Demo im Jahr 2025. Und auch damals äußerte sie sich nur auf eine Medienanfrage der RUMS. Darin beschrieb die Stadtverwaltung Probleme, die seit Jahren bekannt sind – und rechtfertigte so ihre Untätigkeit. Die Bürgeranregung selbst ließ sie weiterhin unbeantwortet. Seitdem gab es in Sachen Kita-Essen kein Konzept, keinen Zeitplan, keinen Zwischenschritt, keinen öffentlichen Bericht. Wenn die Lage so schwierig ist, ist das erst recht ein Grund, Probleme transparent zu benennen und sie dann gemeinsam zu lösen – also genau das, was Antrag und Protest fordern. Aktuell jedoch ist das Verhalten der Verwaltung genau so, wie es die kleine Kundgebung vor dem Stadthaus darstellte: ein Trauerspiel.

Zum Bericht in den Westfälischen Nachrichten: https://www.wn.de/muenster/initiativen-fordern-nachhaltige-kita-und-schulverpflegung-bioprodukte-ernaehrung-klimaschutz-3556581?pid=true&ueg=default